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Letzte Aktualisierung: 30.03.2017

Meine letzte Kamera? Canon EOS 5D Mk II

27.12.2016 - 18:03

Zum Filmen: DSLR or not DSLR? Ich finde, es ist das beste was man machen kann. Meine EOS 5D Mark II (5D2) hat jetzt schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Es hat sich viel getan, und vieles ist gerade am Laufen. Das meiste was ich jetzt zu meiner 5D2 schreibe gilt eigentlich genauso für die anderen filmenden DSLR's. Die 5D2 sticht aber ein klein wenig heraus. Und das allein wegen eines subjektiven Gefühls.

camera/canonpimp.jpg

Das Filmbild vor den DSLRs

Bevor ich dazu komme, hole ich aber ein wenig aus. Anfang der 2000er Jahre habe ich angefangen mich für das Filmen zu interessieren. Dabei ging es mir um 'echte' Filme, also szenischer Film mit Drehbuch, Schauspielern und mehr oder weniger geplanten Einstellungen. Mit damals verfügbaren Videokameras im Preissegment um 500-1000 Euro konnte man sowas als Hobby machen. Wer anspruchsvoll war, hat sich etwas im Bereich bis 4000 Euro zugelegt (z.B. Canon XL 1 oder div. Panasonic Kameras im semiprofessionellen Bereich). Aber sowohl bei den günstigen Modellen als auch bei den teuren sah das Bildmaterial immer nach Video, im Sinne von Urlaubsvideo aus. Die Messlatte für das Bild szenischer Filme war aber natürlich immer das Bild, dass man im Kino betrachten konnte, und welches mit analogen Filmkameras mit 35mm Film erzeugt wurde. Die Lösung, der andere und ich nachjagten war der sogenannte 35mm-Adapter. Neben einer 24/25fps Framerate und progressiven Bildern statt interlacten Bildern lag der Hauptunterschied zwischen Kameras mit 35mm Film und Videokameras in der Größe des Bildmaterials bzw. des Sensors begründet. Die erstegenannten lassen sich auch durch Konvertierungsprozesse im PC erzeugen, die Sensorgröße jedoch nicht, da sie lokale Bildveränderungen erzeugt. Die Größe des Sensors ist einer der wesentlichen Parameter für die sogenannte Schärfentiefe des Bildes. Der Effekt erzielt bei einem Sensor, der so groß ist wie ein 35mm Filmbild, bei passenden Werten für Brennweite und Blende den Effekt, das das fokussierte Objekt scharf abgebildet wird und Vorder- und Hintergrund unscharf sind. Keine o.g. digitale Videokamera hatte auch nur einen anähernd so großen Sensor wie ein Bild vom 35mm Film. Der deutliche Unterschied zwischen den Schärfen war damit nicht zu reproduzieren. Ein 35mm-Adapter hat das Prinzip so umgesetzt, dass er meist ein Bajonett für Objektive von Spiegelreflexkameras hatte (oder konsequent z.B. ein PL Bajonett für Filmkameraobjektive), die dann dahinter das Bild nicht auf einen Sensor oder Film projeziert haben, sondern auf eine Mattscheibe in der Größe von 35mm Film. So war das Bild ähnlich, bzw. gleich erzeugt wie bei einer Filmkamera. Die Videokamera hat dann das Bild hinter der Mattscheibe abgefilmt. Nur mit so einer mechanisch aufwendigeren Konstruktion konnten mit Videokameras filmähnliche Bildeindrücke gewonnen werden. Einen guten Überblick über selbstgebaute Adapter gibt noch 35mm-Adapter.de.

Nikon oder Canon?

Dann kam der Big-Bang! Nikon stellte im September 2008 die erste DSLR mit HD Videofunktion, die D90 vor. Kurz danach kündigte Canon die 5D2 an. Und das wirbelte mehr als nur die Amateurfilmwelt durcheinander. So hatten das auch die Hersteller nicht erwartet. Was war passiert? Aus der Fotowelt stammend, hatten diese Kameras Sensoren in APS-C bzw. Vollformatgröße. Durch ihre Videofunktion waren sie eigentlich 35mm-Adapter, die aber nicht qualitätsmindernd auf eine Mattscheibe projezierten sondern direkt dort auf einen Sensor auszeichneten. Sie hatten eine Sensorgröße, die es vergleichbar bei einer Videokamera nie gab, und damit den generellen Bildeindruck einer Filmkamera. Aber das zu einem Preis einer besseren Amateurvideokamera! Der Muss-Haben Effekt trat bei mir sofort ein. Billig war es dennoch nicht. Und zuerst musste die Entscheidung getroffen werden ob es denn Nikon oder Canon sein sollte. Was waren die Unterschiede? Generell gibt es wahnsinns Grabenkämpfe zwischen Canon und Nikon Lager. Die können einem aber vergleichsweise egal sein. Als Fotoapparate taugen beide ganz wunderbar, und echte Unterschiede finden sich nur in extremer Detaildebatte. Bei der neuen Videofunktion war der Unterschied aber doch deutlicher. Zum einen konnte die D90 nur das Schummel-HD, also 720p mit 1280x720 Pixeln Auflösung. Allerdings von Hause aus mit, für Menschen auf der Suche nach Filmlook wichtigen, 24 Bildern pro Sekunde. Die 5D2 schaffte Full-HD, also 1920x1080 Pixel bei einer Framerate von 30 Bildern in der Sekunde. Wären die Parameter so geblieben, hätte man die Nikon nehmen MÜSSEN. Das einzige sinnvolle Medium für Filme mit 30 fps sind NTSC Fernseher gewesen. Dementsprechend gab es einen enormen öffentlichen Druck auf Canon ein Firmware Update zu veröffentlichen, welches wenigstens 25 fps für PAL Länder unterstützt und ggf. auch 24 fps. Ich hielt diese Forderung für realistisch nachdem bereits im September 2009 die manuelle Kontrolle im Videomodus per Firmwareupdate ermöglicht wurde und war optimistisch, dass dies umgesetzt würde. Schließlich forderte man, dass die Kamera etwas langsamer können soll, was sie ohnehin schon kann. Und dies sollte doch wohl zu machen sein. Im März 2010 kam das geforderte Update dann tatsächlich und die Kamera war nun ein Monster im Filmbereich ;-) Bei meiner Kaufentscheidung im Juni 2009 habe ich fest darauf spekuliert. Mit diesen Umständen lag die Canon also technisch mit 1080p25/24 deutlich vor der Nikon mit 720p24.
Nächster Unterschied war die Sensorgröße an sich. Die 5D2 ist eine Vollformatkamera, der Sensor ist also so groß wie ein Bild eines klassischen Kleinbildrollfilms. Die Nikon hatte einen APS-C Sensor der eben kleiner war (und damit günstiger und einfacher technisch herzustellen). Wem es wirklich auf die Simulation einer echten Filmkamera ankommt, der greift überraschenderweise am besten zu einem APS-C Gerät. Zwar laufen sowohl analoge SLR Kameras und Filmkameras mit 35mm Film. Da aber die Laufrichtung der Filmrolle eine andere ist (horizontal bei der SLR und vertikal bei der Filmkamera) hat das einzelne Bild einer Filmkamera eine kleinere Fläche zum Belichten als eine SLR. Und diese Größe z.B. im Super 35 Format entspricht etwa genau der Größe eines APS-C Sensors. Eine Vollformat Kamera wie die 5D2 hat somit eigentlich schon einen ZU großen Sensor. Der Schärfentiefe Effekt ist noch ausgeprägter als bei einer echten Filmkamera. Theoretisch spricht das also für die Nikon.
Bleibt als letztes noch ein entscheidender Unterschied und der war zu dieser Zeit schon wesentlich. Der Rolling-Shutter Effekt. CCD's beherrschten lange die Sensortechnik und wiesen diesen Effekt nicht auf. Neben der Fotowelt zogen auch in der Videowelt langsam wieder die CMOS Sensoren wieder in die Kameras weil sie einfach bessere lichtempfindliche Eigenschaften haben. Sie haben aber im Videobetrieb den Rolling Shutter Effekt, auch als Jello bekannt. Der rührt daher, dass die Sensoren zeilenweise ausgelesen werden, und somit zeitlich die unterste Zeile später ausgelesen wird als die oberste (oder umgekehrt). Bei einem schnellen Schwenk sieht daher ein Rechteck (z.B. ein Hochhaus) im Bild wie ein schiefes Parallelogram aus. Sichtbar ist der Effekt daher vor allem bei schnell bewegten Objekten oder schneller Kamerabewegung. Beide Kameras, die D90 und die 5D2, wiesen einen stark ausgeprägten Jello Effekt auf. Beim Pixel-Peeping konnte man aber feststellen, dass Canon diesen Effekt jedenfalls technisch besser im Griff hatte als Nikon. Und so blieb es nach meinem Eindruck bis heute (allerdings findet man heutzutage kaum noch viele aktuelle Vergleiche zu diesem Effekt, wie es noch 2009 der Fall war). Der Punkt geht also an Canon.

Meine Entscheidung stand an. Die eben aufgezählten technischen Eigenschaften spielten eine Rolle. Aber im Endeffekt waren es nicht diese, die den Ausschlag für meine Kaufentscheidung zur 5D2 gegeben haben. Es war im Endeffekt einfach der subjektive Bildeindruck. Zu beiden Kameras gab es zahlreiche Demofilme im Netz zu betrachten und bereits damit erstellte Kurzfilme. Ich muss einfach sagen, dass ich die Bilder der 5D2 subjektiv schön fand. Das ganze machte einen harmonischen schönen Eindruck. Für mich waren die Bilder in der Praxis nicht von einem Film zu unterscheiden der mit einer herrkömmlichen analogen Filmkamera gedreht worden ist. Und das ist auch heute noch so. Den Kauf der 5D2 habe ich nie bereut.

Ich möchte noch hinzufügen, dass nicht Nikon die Konkurrenz zu den Canons darstellt. Im echten Leben ist es eher die Panasonic GH2 (und ihre Nachfolger) geworden, die sehr beachtliche Ergebnisse bei ebenfalls kleinem Preis produziert.

David gegen Goliath

Eine 5D2 kostete im Juni 2009 ca. 2.100,- Euro. Eine anloge Filmkamera z.B. die Arricam ST kommt auf ca. 150.000,- Euro. Eine digitale Arri Alexa auf $80.000,- im Starterkit und eine Sony F3 immerhin auf 12.000,- Euro ohne Optiken. Die Firma Zacuto hat 2010 mit einer Shootout Serie begonnen, in der sie filmende DSLR's, analogen Film und digitale professionelle Filmkameras miteinander verglichen hat (z.B. 7D, D3s, GH1, Red One, Arri Alexa, Sony F3 und 35, Phantom Flex u.a. sowie Kodak und Fuji Film). Natürlich haben digitaler Film und 'Pro' Kameras die Nase vorn, aber im visuellen Vergleich nur um Nuancen. Jedenfalls entsprechen diese Nuancen nicht dem Preisunterschied. Die 5D2 schneidet in diesen Tests so gut ab, dass man sich fragen muss, was für ein Monster man da eigentlich im Schrank stehen hat. Der Fa. Canon muss das auch aufgefallen sein. Und sie war nicht darauf vorbereitet. Hätten Sie das wirklich gewusst, hätten Sie die Kamera niemals für 2000,- Euro in die Regale gestellt. Für den Nachfolger, die 5D3 sind immerhin gleich 3.500,- (solange nicht im Angebot) Euro hinzulegen. Für die aus dem 5D2 erwachsende Cinema EOS Linie sind ab 12.000,- bis 25.000,- Euro hinzublättern. Eine Magic Lantern Erweiterung hat den technischen Unterschied zwischen den Geräten noch einmal zusammengeschmolzen. Hier hat ein David einen Goliath ganz klar besiegt.
An der Stelle kann man auch auf weitere technische Nachteile der 5D2 eingehen. Beim Pixel Peeping ist schon früh aufgefallen, dass die 5D2 ein ganz schlechtes Auflösungsverhalten hat. Die Full HD Auflösung wird vom Ergebnis nicht ausgenutzt. Im Vergelich sind vermutlich die meisten anderen Kameras besser. Inzwischen ist auch klar, dass der Sensor der 5D2 bei Full HD Aufnahme nur 1880 statt 1920 Pixel im Buffer verwendet und diese vor der Speicherung auf 1920 hochskaliert. Dazu kommen bei der 5D2 auch noch Aliasing Artefakte durch die Art der Pixelverwertung bei Erzeugung des HD Bildes. Allerlei derartige technische Gemeinheiten zeigten sich im Laufe der Zeit. Aber hier komme ich auch zur Begründung meiner Kaufentscheidung zurück: Das ändert überhaupt nichts daran, dass ich persönlich das Bild der 5D2 einfach als schön empfinde. Ich habe beim Ansehen von Aufnahmen nie gedacht ... Oh, das sieht aber pixelig aus, oder unscharf oder niedrig aufgelöst o.ä. Neben den ganzen technischen Parametern zählt am Ende doch mehr der subjektive Eindruck den man da hat.

Kamerahandhabung

Viele überschwengliche Umsteiger von einer herkömmlichen Videokamera auf eine DSLR waren nach dem Kauf sehr enttäuscht. Das schöne Bild der DSLR im Film erhält man nämlich nicht automatisch. Das kann man wörtlich verstehen. Viele Automatiken einer Videokamera stehen bei einer DSLR im Filmmodus nämlich nicht zur Verfügung. Dazu zählt ganz besonders der Autofokus! Man erhielt mit einer DSLR nicht nur die Bilder einer Filmkamera, man musste die Kamera auch so handhaben wie eine Filmkamera. Nicht umsonst finden sich in Abspännen von Filmen Begriffe wie DoP (Director of Photography), Camera Operator (technische Bedienung, Schwenks u.a.) und Focus Puller (Schärfeassistent). Da wo sich im professionellen Bereich bis zu drei Menschen und mehr um die Kamerahandhabung kümmern, muss der Amateur oder engagierte Indyfilmer oft alles selbst machen. Und das ist nicht ohne. Insbesondere der Fokus ist manuell zu handhaben und muss bisweilen während der Aufnahme nachgeführt werden. Anfangs dachte ich, dass dies einen Einsatz als EB-Kamera, also in der Fernsehberichterstattung oder in Dokus verhindert. Inzwischen hat sich gezeigt, dass man soviel Erfahrung mit den Kameras sammeln kann, dass dies doch möglich ist. Chris Caliman hat z.B. sehr beeindruckende Bilder für mehrere ZDF Produktionen mit DSLR's gemacht. Aber dieser Umstieg bedeutet für viele erst einmal einen Kulturschock. Bei mir war das nicht so schlimm. Wie alle anderen, die vorher mit 35mm-Adaptern hantiert hatten, war ich diese Arbeitsweise genrell gewöhnt, da dies dort eben auch zur Bedienung gehörte.
Zur Zielgruppenerweiterung entwickeln die Kamerahersteller aber auch in diesem Bereich weiter. Und so hatte mal wieder Nikon die Nase vorn, als sie im August 2010 die erste DSLR mit kontinuierlichem Autofokus im Videomodus, die D3100 vorstellten. Canon konterte erst im Juni 2012 mit der 650D, die aber nur in Verbindung mit STM Objektiven einen Autofokus beim Filmen ermöglichte. Meiner Meinung nach war das STM System besser als das Nikon System und schon einmal ziemlich brauchbar. In der 700D wurde es noch einmal verbessert und beschleunigt. Die Diskussion könnte aber akademisch werden, da Canon im Juli 2013 die 70D mit Dual Pixel CMOS AF System vorstellte. Hier besteht jeder Pixel im Sensor aus zwei technischen Pixeln, die die Phasenverschiebungen im Licht in jedem Pixel messen können und damit den Autofokus mit fast allen EF-Objektiven superschnell und genau steuern können. Das ist tatsächlich ein richtig gutes AF System fürs filmen. Nach aktuellem Stand in den Gerüchteküchen sollten auch künftige Kameras der einstelligen Serie mit diesem AF System ausgestattet sein, also auch ein Vollformat Nachfolger ist damit zu erwarten.
Mit meiner 5D2 ist das nicht zu machen (auch nicht mit Firmware Hack), aber ich habe mich an diese manuelle Handhabung längst gewöhnt. Andererseits sehe ich Einsatzzwecke für einen brauchbaren Autofokus. Bei der Aufnahme einer Art Verfolgungsjagd zweier Autos aus einem anderen Auto heraus hätte ich vermutlich bei meinem LowBudget Ansatz kaum ein scharfes Bild erzielt. Da habe ich dann auf eine HV20 HDV Kamera zurückgegriffen. An dieser Stelle wäre so eine 70D sehr brauchbar gewesen :-) Auch bei Spezialitäten, wie z.B. Steadycam Aufnahmen oder Quadcopter Aufnahmen wäre ein brauchbarer AF schon eine feine Sache (falls der nicht auch einmal daneben liegt).

Zubehör

Man kann so eine Kamera aufriggen bis zum geht nicht mehr. Ich habe mir da auch ein paar technische Möglichkeiten geschaffen. Ein Schutzglas am Display würde ich empfehlen. Ich habe eines drauf und es ist mir in der Praxis schon einmal kaputtgegangen. Ohne das Glas wäre das Display hin. Jetzt ist ein neues Schutzglas drauf und gut. Den Ton kann man bereits durch kleines Stereo Mikrofon auf dem HotShoe deutlich verbessern. Bei szenischem Film empfiehlt sich die externe Aufnahme auf einem Gerät wie dem Zoom H4N oder Tascam DR-100 (II). Ich habe ein Tascam. Geht man ernsthaft in den Bereich des Schärfeziehens, möglicherweise sogar mit einer zweiten Person, empfiehlt sich ein entsprechender Follow Fokus in Kombination mit einem externen HDMI Monitor. Das wird aber schon speziell. Ansonsten ist nach Bedarf und Geschmack die Liste des Zubehörs endlos erweiterbar. Ich habe noch verschiedene Stative, Slider, MiniDollys dabei. Und natürlich ein geeignetes Set an Objektiven. Kür sind dabei lichtstarke Festbrennweiten, ich komme aber auch gut mit lichtstarken Zoom-Objektiven aus bis jetzt.

Magic Lantern

So eine tolle Kamera hat auch die 'Hacker' angelockt. Es war der gute Trammel Hudson, dem die automatische Aussteuerung des Tons auf den Sack ging, und der deswegen anfing die Kamera genauer zu untersuchen und einen Weg gefunden hat, wie man an der Firmware etwas ändern kann. Seine Lösung war damals durchaus genial, den er konnte eine geänderte Firmware beim Start der Kamera einfach von der CF-Karte zur Original Firmware dazu laden. Man muss also nicht wie bei einem Handy das ganze Gerät neu flashen. Will man die Firmware Erweiterung nicht mehr, entfernt man sie einfach von der Speicherkarte und die Kamera startet mit der Original Canon Firmware.
Die Firmware Erweiterung unter dem Namen Magic Lantern wird heute von vielen anderen für eine Vielzahl von Canon EOS DSLRs fortgeführt. Neben vielen zusätzlichen Funktionen, die das Filmen erleichtern, wie Zebra Belichtungskontrolle, Schärfekontrolle, Custom Cropmarks und erweiterten Audiofunktionen bringt sie auch allerlei nützliches zum Fotografieren mit. Insbesondere spezielle Themen, wie HDR, Langzeitbelichtung etc. fanden die Aufmerksamkeit der Entwickler. Mir persönlich gefällt auch die Erweiterung um Scriptfähigkeit sehr gut, die ich bereits in meinem Film Time Reloaded ausgiebig verwendet habe.
Der richtige Knaller war aber, als die Entwickler herausgefunden haben, wie man die RAW Daten vom Sensor direkt über den Datenbus auf die Speicherkarte lenken konnte. Damit waren RAW-Filmaufnahmen möglich. Und dieser Direktzugriff auf den Sensor ermöglicht weit mehr als zunächst vermutet. Hier muss ich auch sagen, dass die 5D3 da das beste Potential hat. Auf der 5D2 geht es auch, verbessert aber nicht die Auflösung der Aufnahmen. Immerhin hat man 14 Bit Material statt 8 Bit Material und bekommt so ein deutliches mehr an Qualität und Möglichkeiten frei Haus. An der 5D3 ist aber ein zusätzlicher Auflösungsgewinn möglich. Damit ist das erzielte Bild technisch praktisch nicht mehr von den o.g. professionellen Filmkameras zu unterscheiden.
Was passiert? Out-of-the-box, also mit originaler Canon Firmware nimmt die Kamera Filme in komprimierten Formaten auf. Die auf dem Sensor verfügbaren 14 Bit werden zu 8 Bit heruntergerechnet. Das Farbsampling wird für die Speicherung vom vollständigen 4:4:4 auf 4:2:0 heruntergerechnet. Dann wird das Material mit H.264 noch komprimiert inkl. der dazugehörigen Kompressionsartefakte. Das Videobild liegt qualitativ damit deutlich hinter der Fotoqualität der Kameras. Mit Magic Lantern ist es nun möglich, den Videodatenstrom direkt vom Sensor als RAW Datei auf die Karte zu schreiben. Bei der 5D3 geht das auch in höherer Auflösung als Full HD. 4K ist nicht zu erzielen, aber 300er Auflösungen sind möglich und 2,5K Auflösungen sogar unkompliziert. Da Canon offenbar auch einen kleineren Bildbuffer vor der Komprimierung in der herkömmlichen Videoaufzeichnung verwendet, ist die Aufzeichnung in Full HD mit RAW schon von Hause aus viel schärfer und detailreicher als die Original Canon Aufzeichnung. In den höheren Auflösungen ist noch höhere Detailauflösung verfügbar. Ausserdem gibt es kein verkrüppeltes Farbsampling, sondern es bleiben 4:4:4 erhalten. Und schließlich gehen die Einzelbilder unkomprimiert auf die Speicherkarte, so dass sie auch keine Komprimierungsartefakte mehr enthalten. Das ist ein weiterer Big Bang in der Geschichte der DSLR's :-)
Bei der 5D2 geht es nicht ganz so weit wie bei der 5D3. Der eingebaute Bildbuffer, der wie o.g. auch von Canon zur Videoaufzeichnung verwendet wird, löst horizontal nur mit 1880 Pixeln auf. Höher lässt sich hier die Auflösung nicht steigern. Die 14 Bit Farbinformation im Bildmaterial bringen aber alle Möglichkeiten, die man von der Einzelbildbearbeitung z.B. in Lightroom gewöhnt ist auch in der Videobearbeitung zur Verfügung. Das ist ein deutliches Plus.
Nicht verschwiegen werden soll der aufwendige Nachbearbeitungsprozess generell. Die Anforderungen an einen Rechner der Video RAW Material verarbeiten muss sind höher, der Gesamtworkflow umfasst neue Stufen zur Vorbereitung des Materials, ggf. Umkodierung des RAW Materials in etwas bearbeitungsfreundlicheres (z.B. CineForm). Belohnt wird man aber durch eine Bildqualität, die eigentlich keine Wünsche mehr offen lässt.
Im Ergebnis stelle ich für mich fest, dass bei ernsthaften Filmaufnahmen mit der 5D2 kein Weg an Magic Lantern vorbeiführt. Hier lohnt es sich die Möglichkeiten genauer auf der ML Seite zu studieren. Auch für Fotografen ist ML nützlich, aber (noch) kein Zwang :-) Übrigens hat die letzte Entdeckung der ML Leute mal eben den Dynamic Range der Canon DSLRs einfach so erweitert. Zusätzlich zu Dual ISO (ML Funktion) ist auch da ein riesiges Potential an Möglichkeiten vorhanden. ML ist unverzichtbar.

Umstieg: 5D2 oder welche?

Bei Detaildiskussionen findet man immer wieder was, was die 5D2 nicht oder nur schlecht kann. Soll ich also umsteigen oder einem Interessenten was anderes empfehlen? Wenn die RAW-Video Funktion von ML nicht gewesen wäre, wäre mein Urteil klar. Es gibt keinen Grund was anderes zu wollen als eine 5D2 ;-) Im März 2012 ist die Canon 5D Mark III als Nachfolger der 5D2 erschienen. Ich war enttäuscht. Die 5D3 ist Out-of-the-box in jeder Eigenschaft besser als die 5D2. Da gibt es nichts dran zu rütteln. Bei Fotografen sind besonders die Autofokus Verbesserungen (kein Dual AF) sehr beliebt. Aber im wesentlichen sind die Verbesserungen nur in Nuancen zu merken. Insbesondere der Videobereich erfährt kein wirkliches Upgrade durch einen Umstieg. Niemand wird den Eindruck haben das Videobild der 5D3 ist sichtbar 'SCHÖNER' als das der 5D2. Das ist dieser subjektive Eindruck den ich oben schon beschrieben habe. In der generellen Handhabung gibt es auch keine Vorteile. Kein Autofokus beim Filmen in dieser 5D3. Das alles aber bei einem Preisunterschied von fast 1.500,- Euro. Rückt man alle Werte ins Licht der Verhältnismäßigkeit, ist ein Umstieg für mich nicht sinnvoll.
Ein bisschen anders fällt diese Rechnung allerdings bei Betrachtung des Video-RAW mit Magic Lantern aus. Hier hat die 5D3 plötzlich Eigenschaften, die einen Quantensprung im Gegensatz zur 5D2 ausmachen. Durch diese 'Entdeckung' ist der Umstieg evtl. doch lohnend. Für mich persönlich habe ich entschieden, neben der erheblichen Kostenfrage jetzt keinen Umstieg vorzunehmen. Das 5D2 Bild ist immer noch schön, und ich möchte mir gern das Preisgefüge der 5D4 ansehen, und ob sie den Dual AF mit an Bord hat. Dann mache ich wirklich noch einmal einen Schritt nach vorn, der die Kosten rechtfertigen könnte. Aber bis dahin behalte ich meine 5D2.
Empfehlungen für Neueinsteiger kann man schwerlich abgeben (Stand Januar 2014). Als Vollformater von Canon hat man derzeit die Wahl zwischen 5D3, 6D und 1DX. Die 1DX ist zu teuer für den Ntzungszweck und die 6D hat den Nachteil des langsamen SD Speichers, der keine vernünftigen RAW Videoaufnahmen zulässt. Hier wäre die 5D3 zu empfehlen. Ansonsten machen alle APS-C Modelle ab der 550D qualitativ etwa ähnlich gute Aufnahmen und unterscheiden sich nicht wirklich von einander solange es ums filmen geht. Die 1000er und 100er sollte man vielleicht auslassen. Allein die 70D punktet derzeit mit ihrem Dual AF den ich echt empfehlen würde, selbst wenn man meistens manuell fokussieren will.
Wer bereits Objektive eines speziellen Bajonetts besitzt sollte sich dort umsehen. Für FourThirds Kameras ist die GH Reihe von Panasonic immer einen Blick wert oder auch die neue Olympus wegen ihres starken Bildstabilisators (aber mit anderen Nachteilen behaftet). Auch die neuen Sony A Kameras haben einen Punktsieg bei den Sensoren gelandet.
Daneben sind die Entwicklungen im Filmbereich auch immer im Auge zu behalten. Da sind momentan sicher die Red Scarlet zu nennen und als kleiner Wirbel die beachtlichen BlackMagic Kameras im iPhone Design.

Updates

27.12.2016: So. Leider hatte ich einen kleinen Server Crash und dieser Artikel hat darunter gelitten. Ich hatte noch einiges zur 5D III und zur 1D Mk II geschrieben. Das meiste kann man ja aber dazu im Netz nachlesen. Fakt ist jetzt, ich kaufe mir die 5D4 mit kleinen Bauchschmerzen. Aber ein besserer Fotoapparat als die 5D2 ist die vierer. Und fürs Filmen versprech ich mir auch noch was. Ein Artikel ist im Menü vorbereitet und wird sukzessive befüllt werden.


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