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Letzte Aktualisierung: 30.03.2017

Making Of Mit Bande

27.12.2016 - 17:08

mb-makeof/mitbandelogo.jpgFilmisch gesehen ist Mit Bande mein Debut. Im folgenden findet sich das HowTo zu den Umständen und der Durchführung der Produktion.

Vorab hier noch einmal die Möglichkeit das Ergebnis zu sehen:

Mit Bande from Frankie Blindcat on Vimeo.

1. Warum habe ich diesen Film gedreht?

'Mit Bande' ist mein Debutfilm. Vorher hatte ich kleine Testfilmchen oder andere nicht sehr filmische Dinge gemacht. Mein Ziel war jedoch immer die Herstellung von mindestens kleinen abgeschlossenen Kurzfilmen. Seit Anfang 2002 bastelte ich also an meiner Technik herum und erprobte das eine oder andere. Ende 2005 war ich damit eigentlich noch nicht fertig, aber irgendwie und irgendwann muss man ja mal anfangen. Auslöser war schließlich ein Posting vom 27.10.05 auf Hackermovies.de wo ein Link zu einem Billy Boy Filmwettbewerb gepostet wurde. Dort wurde ein maximal 2 Minuten langer Film, der sich kreativ mit Kondomen auseinandersetzt gefordert. Der Zeitrahmen war mit November 2005 - Februar 2006 eigentlich ganz okay, und da beschloß ich, daß ich einen Wettbewerbsbeitrag produzieren werde, und damit meinen ersten Kurzfilm herstellen werde! Dabei wollte ich möglichst alles so durchführen, wie es vielleicht auch später bei aufwendigeren Projekten auf mich zukommen würde.
(PS: Ich kann leider keine Garantie für das Überleben externer Links geben).

2. Zeitplan

Der Abgabetermin sollte im Februar 2006 sein, und ich dachte, daß ein guter Termin für die Dreharbeiten damit Mitte Januar sein würde. Ein Monat für die Postproduktion musste einfach reichen. Das bedeutete aber, daß ich bis Weihnachten ein Drehbuch und ein grobes Konzept haben musste.

3. Drehbuch

Zunächst galt es also Ideen zu sammeln. Für diesen Film wollte ich möglichst etwas filmisch zu lösendes haben und auf aufwendige Effekte oder Tricksequenzen verzichten. Etwas filmisches stellte ich mir auch unaufwendiger vor.
Beim Ideen sammeln profitierte ich vor allem vom gemeinsamen Ideen spinnen mit meiner Freundin Uta. Insgesamt hatten wir zum Schluß drei Ideen, die im Endeffekt alle von ihr stammten.

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Alle Ideen auf einem Umschlag notiert

In Abwägung von Aufwand und Ausstattung der drei Ideen traf ich Mitte Dezember dann die Entscheidung die vorliegende Geschichte "Mit Bande" umzusetzen, da ich doch langsam den Eindruck hatte, daß mir die Zeit davonläuft. Das Drehbuch, welches zwischendurch noch die Arbeitstitel "Das Geschenk" und "Die Überraschung" hatte, habe ich am ersten Weihnachtsfeiertag praktisch in der finalen Version geschrieben. Es geht um eine Frau, die nach Hause kommt und ihrem Mann eine Packung Kondome schenkt.  Überraschenderweise probiert er diese nicht mit ihr aus, sondern verschwindet, um sie woanders einzusetzen. Die Frau ist darüber aber nicht unglücklich, sondern hat ihn so über die Bande aus der Wohnung geschubst, so daß sie sich ihren bereits im Schrank wartenden Nachschub-Mann herausholt. Über die Schranklogik streite ich nur mit Leuten, die wissen, was sich in Marcellus Wallace Koffer befindet. Ansonsten für 2 Minuten eine gute Geschichte, wie ich finde. Jedenfalls etwas womit man auch konkret arbeiten kann.
Mit dem Drehbuch waren dann auch die Rahmenbedingungen klar. Es wurde ein Flur als Drehort benötigt und die Geschichte brauchte drei Schauspieler.

4. Storyboard

In der ersten Januarwoche war ich in Jena und hatte relativ viel Tagesfreizeit und keinen Computer in der Nähe. Ich beschloß die Zeit zu nutzen, um ein Storyboard zu zeichnen. An sowas hatte ich vorher nie Gedanken verschwendet, aber in diesem Fall hatte ich einfach die Zeit dafür. Zumindest für ein halbes :-))

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Die ersten Striche und eine Tasse Kaffee

Also das war gar nicht schwer, aber sehr zeitaufwändig. Es hatte vor allem den Vorteil, sich schon vorher Gedanken über Einstellungen zu machen. Dabei stellt man dann nämlich fest, daß es bestimmte Stellen gibt, die nicht aus dem Bauch heraus aufzulösen sind. Ich weiß nicht, ob ich ohne Storyboard vor Ort die gleichen Einstellungen gewählt hätte. Als sich am Drehtag herausstellte, daß wir durcheinander filmen mussten, weil einer der Darsteller früh weg musste, erwies sich das Storyboard wirklich als Gold wert.
Ich habe in Jena nicht das gesamte Storyboard geschafft und in der Woche vor dem Drehtermin dann die fehlenden 10 Einstellungen nur grob skizziert, aber selbst diese groben Skizzen waren beim Deh nachher sehr hilfreich und ausreichend.

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Alle 24 Schnitte im Storyboard

5. Schauspielersuche

Dies gehörte im Nachhinein betrachtet neben der Drehortsuche zum schwierigsten Thema in der ganzen Produktion. Da ich reale No-Budget Bedingungen wollte, entschloß ich mich, nicht meine Freunde zu fragen, sondern echte Schauspieler im Alter zwischen 30-40 Jahren zu suchen, die auch bei No-Budget Projekten mitmachen. Ich hatte aber erstmal gar keine Idee wie das zu bewerkstelligen wäre. Zuerst schaltete ich Ende Dezember eine Anzeige im Berliner Kleinanzeigenblatt "Zweite Hand". Leider im falschen Bereich, da zum Beispiel die Aufgabe einer Anzeige im Bereich "Darstellersuche" kostenpflichtig ist (versteh ich auch nicht,warum).
Das Telefon blieb jedenfalls still.
Am 14.01 wollte ich drehen, und am Abend des 09.01 stand ich immer noch ohne einen einzigen Darsteller da. Mental hab ich da schon einmal den Drehtermin auf den 21.01 verschoben. Dann hatte ich nicht mehr viele Möglichkeiten. Ich googelte und fand die Seite Medienjobs.de mit Jobgesuchen von Schauspielern. Da hab ich mir die eMail-Adressen aller gelisteten Berliner gegriffen und jedem eine eMail geschickt, mit Link auf das inzwischen Online stehende Drehbuch. Insgesamt bekam ich nur zwei Antworten. Eine Absage einer weiblichen Darstellerin, und eine Zusage eines männlichen Komparsen. Den besetzte ich auf seinen Wunsch hin für den Ehemann in der Story. Fehlten noch zwei Darsteller. Ich brach mit meinem Prinzip, und fragte am 10.01 eine Freund, ob er den Typen im Schrank spielt. Er sagte zu. Fehlte nur noch die Ehefrau. Ich hab hin und her überlegt und am 18.01 dann auch die Frau eines Freundes gefragt, die tatsächlich zugesagt hat. Am Abend des 18.01 hat dann allerdings der per eMail gefundene Komparse abgesagt. Ich hatte nur noch eine Chance. Am 19.01 fragte ich meinen Freund Mario, ob er den Ehemann spielt, und ich hatte Glück und Mario sagte zu. Immer dran denken, am 21.01 sollte gedreht werden.

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Simone                                  Mario                                  Frankie

Damit war die Besetzung für den 21.01 gerettet und komplett. Fast in letzter Sekunde. Dummerweise sagte mein Freund, der den Typen im Schrank spielt noch nachträglich ab, und das etwa eineinhalb Wochen nach Drehbeginn und nach der Fertigstellung des eigentlichen Films. Ich habe mich dann selbst im Schrank gefilmt, und das ausgetauscht (siehe unten 9.8). Ging grad noch gut und ich blieb im Zeitplan. Aber die finale Besetzung stand dann wenigstens nach den eigentlichen Dreharbeiten :-)

6. Drehortsuche

Die Drehortsuche war genauso kompliziert. In meinem Kopf spielte die Geschichte in einem Altbau-Flur. Einerseits hatte ich da nach oben hin Platz für Licht, und andererseits hätte das eine schöne Atmosphäre gehabt. Aber ich konnte nachdenken wie ich wollte und fragen wen ich wollte, niemand kannte jemanden, der einen Altbauflur mit einem Schrank drin hatte. Ich selbst hab zuhause überhaupt keinen Flur. Ersatzweise hatte ein Kollege von mir einen Altbauflur, der aber anders geschnitten war als ich es mir vorstellte. Dort stellte sich aber auch noch heraus, daß die Frau am Drehtag morgens aus der Nachtschicht kommt, und dieser Flur also auch wegfiel. Tomax hat einen Flur, der zwar Neubau ist, aber vom Schnitt her passte. Den wollte er nicht zur Verfügung stellen, weil er den Komparsen nicht kannte. Als aber am 19.01 Mario als Ehemann besetzt wurde, und der Komparse absagte, konnte ich Tomax schließlich am 20.01, also genau einen Tag vor dem Drehtag überreden, seinen Flur als Drehort zur Verfügung zu stellen. Drehtermin in allerletzter Minute gesichert und gerettet!

7. Kamera mit 35mm-Adapter

Wenn schon, denn schon ... sagte ich mir, und beschloß für die Produktion den längst nicht fertig gestellten 35mm-Adapter für meine DV-Cam einzusetzen. Bei dem Drehbuch gibt es schöne Nahaufnahmen, bei denen der Schärfentiefe-Effekt des Adapters gut zur Geltung kommen kann. Zackig war ein Testaufbau hergestellt, aber dabei stellte ich fest, daß der von mir gebaute Spiegel überflüssig war und die Bilder seitenverkehrt auf das DV-Band brachte.

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So soll man den nicht bauen (90 Grad Knick)

Glücklicherweise hatte ich noch eine alte Rückwand ohne Spiegel, die jetzt montiert wurde. Ausserdem bastelte ich dann eine Prototypaufnahme, die etwas stabiler war und nicht auf Fest-gaffern beruhte. Und siehe da, das Ding lieferte tatsächlich Bilder!

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So sah das schon besser aus

Richtig sicher war ich jedoch nicht, was das Scharfstellen anging etc. Dummerweise ging dann eine Woche vor Drehbeginn das Bandlaufwerk meiner DV-Cam kaputt! Eine Reparatur in der kurzen Zeit war nicht möglich (und ist bei diesem Modell sowieso etwas kritisch).
Glücklicherweise konnte mir Stefan seine Sony TRV11E Kamera für eine Woche leihen. Ich habe es dann tatsächlich hinbekommen, den Adapter noch so umzubauen, daß er auch mit dieser Kamera betrieben werden konnte (Objektivanschluß an den Adapter war dann aber tatsächlich gegaffert).

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So ging es dann mit der Sony

Jetzt musste sich nur noch herausstellen, ob die Schärfe und Aufnahme richtig funktioniert. Ich hatte jedoch vor dem Drehtag keinerlei Zeit das zu testen ... also: Risiko! Ich wollte den Adapter einsetzen, aber wusste nicht ob er mir die Bilder nicht richtig versaut! Auszuprobieren .. bei der Sichtung des Materials nach dem Drehtag.

8. Drehtag

It's Production-Time!
Drehort war also Tomax Flur und Simone und Mario waren für die Rollen besetzt. Tomax konnte seine Wohnung allerdings erst ab 12:00 Uhr zur Verfügung stellen. Er selbst musste um 18:00 Uhr weg. Das war schon einmal eine zeitlich Beschränkung. Noch schlimmer war Marios Zeitplan, der nämlich um 14:30 wegmusste, weil er auf seine Kinder aufpassen musste. Somit hatte ich dann doch erheblichen zeitlichen Druck, und es stand schon vorher fest, daß wir nicht chronologisch drehen, sondern zuerst alle Einstellungen in denen Mario zu sehen ist.
Durch den Drehbeginn um 12:00 hatte ich vormittags gut Zeit alle erforderlichen Dinge für den Dreh einzupacken. Als da wären, Kamerakoffer mit DV-Cam, 35 mm-Adapter, 28mm, 35mm, 50mm, 135mm 70-200mm Objektiven, ein Sony-Stereomikrofon und die erforderlichen Netzteile:

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Vollgepackter Kamera-Koffer

Dazu einen Wundertüten-Koffer mit zwei Baustrahlern 500 Watt, einem später nicht eingesetzten 1 KW Videolicht, Gaffa-Tape, Frostfolien, Alufolie, DV-Tapes, Alle Arten von Ersatzbatterien und Ersatzleuchtmitteln, Werkzeug, Draht, Schnur und noch mehr Kleinkram.

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Die grosse Wundertüte Technik

Dazu noch das Vinten-Stativ, zwei Kabeltrommeln, ein weiterer 500 Watt Baustrahler ohne Stativ, die digitale Spiegelreflex für Setfotos und Tüten mit Cateringkram (Kaffee und Getränke) sowie den Requisiten (zwei neutrale Einkaufstüten und die Kondomschachtel). Dann noch die Unterlagen die man braucht (Drehbücher für alle, Storyboard, Rechteabtretungen für den Wettbewerb, Checklisten und Notizzettel). Und der Kram musste in meinen Smart passen!

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Material, und wie man es in einem Smart verstaut

Um 12:00 war dann das große Eintreffen angesagt. Tomax, war sicher überrascht, wieviel Kram ich da nun ankarrte, aber es wurde nachher auch alles benutzt ... nur die Getränke sind nicht weggegangen, und es wollte auch niemand etwas vom Pizza-Dienst haben.
Der Flur war ziemlich perfekt, genauso wie vom Drehbuch vorgesehen. Der Schrank war zwar zu klein, aber immerhin stand da ein Schrank. Und die Decke war etwas zu niedrig, aber damit musste ich leben.
Ich musste nun erst einmal aufbauen. Ich hatte mir mehr oder weniger ein Lichtkonzept zurechtgelegt, und konnte das zum Glück auch umsetzen. Das Führungslicht sollte von der Decke gerade herunterleuchten, wie es auch eine Flurbirne von oben tun würde. Wir konnten an der Originalbeleuchtung den 500 Watt Baustrahler ohne Stativ so anschnüren, daß er gerade herunterleuchtete. Bei allen Einstellungen wurde dieser Strahler mit voller Kraft betrieben. Zusätzlich stand immer hinter den Schauspielern also der Kamera gegenüber das Spitzlicht. Es war ein 500 Watt Baustrahler, dem ich mit Alufolie noch Tore angegaffert habe, und der bis auf eine Einstellung auch immer mit vollen 500 Watt betrieben wurde.

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Einrichten des Spitzlicht mit Alufolie-Toren

Neben der Kamera habe ich dann den anderen Baustrahler gehabt, dem eine Frostfolie vorgegaffert wurde. Dieser wurde als Aufheller benutzt, und immer nach Sichtkontrolle im TFT der Videocam so gedimmt, daß eine optimale (nach meiner Meinung) Aufhellung vorhanden war.

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Der Aufheller mit Frostfolie immer bei der Kamera

Insgesamt war der Flur natürlich sehr eng, und das Aufstellen der Kamera und Leuchten war schon ziemlich kompliziert. Zum Glück ist in keiner Einstellung der Boden zu sehen, der von Kabeln nur so übersät war. Das Umstellen der Lichter und der Kamera war ein ziemlicher Akt.

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Erneutes Einleuchten

Und an dieser Stelle machte sich der Wert des Storyboards dann deutlich bemerkbar. Zuerst konnte man alle Einstellungen markieren, in denen Mario zu sehen war, und dann noch berücksichtigen, wie man diese mit den kürzesten Umbauzeiten versieht. Das sieht man einfach auf so einem Storyboard. Insbesondere der Umbau von Schuß zu Gegenschuß ist in dem engen Flur sehr kompliziert und zeitaufwändig. Durch das Storyboard konnte das jedoch optimiert werden, und es war nur ein derartiger großer Umbau erforderlich (in der Zeit, in der Mario da war). Die Chronologie beim Drehen  war dabei natürlich völlig flöten, und für meine Schauspieler war es manchmal gar nicht so einfach nachzuvollziehen, an welcher Stelle im Drehbuch wir uns befanden.

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Umbaupause und Studium des Storyboards

Auch der Einsatz der Objektive war im Grunde durch das Storyboard vorgegeben. Es hat wirklich Spaß gemacht mit den verschiedenen Festbrennweiten zu drehen. Es kamen überwiegend ein 50mm und ein 135mm Objektiv zum Einsatz. Nur zwei Einstellungen wurden mit einem 35mm und dem Zoom auf 70mm gemacht. Die 70mm Aufnahme werde ich aber vermutlich wegwerfen müssen, weil das Objektiv nicht lichtstark genug  ist, und die Aufnahme sehr abweichend dunkel vom Rest ist.

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Dreh mit dem 35mm-Adapter

Wir blieben sonst hart am Storyboard. Lediglich die Details zur Kondomübergabe haben wir vor Ort abweichend von Drehbuch und Storyboard geändert, sind aber bei ähnlichen Einstellungen geblieben. Auch für die Schauspieler war das Storyboard sehr hilfreich, weil es ihnen schon geholfen hat, sich die geforderten Mimiken oder Bewegungen besser vorzustellen.

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Absprache der nächsten Einstellung

Und siehe da, wir waren wirklich gegen 14:30 Uhr fertig mit allen Einstellungen die Mario betrafen, und er konnte pünktlich gehen. Dann haben wir die restlichen Einstellungen kurz zusammen am Storyboard analysiert, und die Reihenfolge für den Abdreh der übrigen Einstellungen festgelegt. Das klappte ebenfalls ganz hervorragend. Die Schrankszene haben wir uns bis zum Schluß aufgehoben. Der Schrank im Flur hatte Regalbretter und war voll. Es war also klar (und das hatte ich mir von Anfang an schon gedacht),daß hier getrickst werden musste. Tomax Schlafzimmerschrank musste für diese letzte Einstellung mißbraucht werden. Die wurde so aufgenommen, daß man sie gut in das im Flur gedrehte Material reinschneiden konnte. Im Schlafzimmer war allerdings nur Platz für einen Strahler und die Kamera. Und eigentlich noch nicht einmal dafür.
Insgesamt gab es dann bei den Aufnahmen nur einen riesigen Patzer. Und das war, als ich nach ca. 5 abgedrehten Einstellungen gemerkt habe, daß das externe Elektretkondensator Mikrofon der Kamera nicht eingeschaltet war!!! Die ersten 5 Einstellungen mit Mario hatten also Null Ton! Damit war dann leider auch klar, daß hier nachsynchronisiert werden musste. Das wollte ich eigentlich vermeiden. Aber so hat die Praxis Fakten geschaffen, die mir diesen Schritt nun doch aufbürden.
Etwa gegen 17:00 Uhr waren wir dann fertig und konnten einpacken. Somit ist der vorgegebene Zeitplan genau eingehalten worden. Meine Schauspieler haben auch eine Superleistung abgeliefert, besonders wenn man bedenkt, daß sie eigentlich Laien sind.

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Und Action!

Alles zusammen, war dies ein wirklich geglückter Drehtag, auch wenn bis einen Tag vor Drehbeginn noch die Besetzung und der Ort auf der Kippe standen. Man darf den Mut einfach nicht verlieren. Dann klappt auch alles :-))

9. Postproduktion

Die Postproduktion gliedert sich in zweiteilig. Zunächst hatte die Realisierung des Wettbewerbsbeitrages absoluten Vorrang, da ja hier der Abgabetermin mit dem 15. Februar vorgegeben war. Danach wollte ich evtl. Vor- und Abspann noch etwas ändern (Hinzufügen von Blindcat-Logos etc. worauf ich beim Wettbewerbsbeitrag verzichten wollte), um die Version für Internetdownload und die DVD zu erstellen. Ausserdem wollte ich mit dem Material evtl. noch einen Making-Of-Film machen und auch diese Making-Of Seite erstellen.

Noch am Samstag, als ich nach Hause kam, sichtete ich die gesamten 45 Minuten Material, die an diesem Drehtag angefallen waren am Fernseher. Man kann darüber streiten, aber ich fand sowohl die Qualität der Bilder mit dem 35mm-Adapter als auch die Leistung der Darsteller absolut geil!

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Unbearbeitetes DV-Rohmaterial

Da wollte ich dann gern auch das Material auf den Rechner bekommen, um einen Rohschnitt zu machen, der mir mal einen Eindruck vom Gesamtwerk liefert. Aber das ging nicht! Die DV-Kamera wurde nicht vom Schnittrechner erkannt! Nach einem kurzen eMail-Austausch vereinbarte ich mit Stefan, der mir ja die Kamera geliehen hatte, daß ich am Sonntag zu ihm komme, und wir bei ihm probieren die Clips zu übertragen. Am Sonntag wurde es dann aber bei ihm praktisch zur Gewissheit: Der DV-Ausgang der Kamera war defekt! Glücklicherweise wohnt Andi im gleichen Haus und sagte zu, das Material am Montag zu überspielen, so daß ich es nachmitags dort auf einer externen Festplatte abholen konnte. Wegen Stefans Kamera rätseln wir immer noch ...

Glücklicherweise war Andi so nett, die gesamte DV-Kassette als ein 13,3 GByte File zu capturen ohne Szenentrennung. Am Montag war ich also erst einmal damit beschäftigt, daß große File zumindest in die einzelnen Einstellungen zu splitten (was mit mehreren Rechnerabstürzen verbunden war). Dann hab ich gleich den Rohschnitt hinterhergeschoben. Und jetzt wurden die Probleme für die Nachbearbeitung natürlich ganz offenbar. Da ist zum einen der fehlende Ton der ersten Einstellungen, der dann eine sehr aufwendige Audio Nachbearbeitung nach sich ziehen sollte. Trotz der guten Leistung meiner Darsteller gab es haufenweise Anschlußfehler, oder auch Timing Probleme im Fluss der Geschichte, was zumindest teilweise der nicht chronologischen Aufnahme geschuldet war. Und schließlich gab es eine Einstellung die mehrfach verwendet wurde, bei der die Ausleuchtung nicht so schön war (was auf unterschiedliche Lichtstärken der Objektive zurückzuführen ist).

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Unterschiedliche Licht- und Farbeindrücke im Rohmaterial

Am Dienstag habe ich mich dann erstmal drangesetzt und ein wenig am Feinschnitt und ein wenig an den Audioproblemen herumgedreht. Aber ich kam nicht wirklich weiter und verschlimmbesserte die Situation nur noch. Am Mittwoch wollte ich mich daher nur auf den Feinschnitt konzentrieren. Eine gute Entscheidung, denn allmählich ließen sich die Anschlußprobleme und das Timing dann offenbar doch in den Griff bekommen. Der Feinschnitt war inzwischen bei dem Dateinamen für das Premiere-Projekt 'MitBande04' angekommen und wurde so abgespeichert. Das bedeutet für den weiteren Verlauf, daß sich nun die gesamte Audiobearbeitung genau an diesem Feinschnitt orientieren konnte, allerdings nachträglich auch kein Umschneiden mehr möglich war. Das Video bekam dazu einen Titel und eine einzige stehende Tafel als Abspann. Ich wusste nun, daß der Film mit Vor- und Abspann genau 90 Sekunden lang ist. Bei einer vorgegebenen Maximallänge von 2 Minuten kein schlechter Wert :-)

9.1. Audio Bearbeitung 1

Um nun den Originalton gut in das Geschehen einzubringen sind viele L-Schnitte nötig. Den eigentlichen Text der Schauspieler wollte ich davon jedoch unbeeinflusst lassen, weil Mario sowieso nachsynchronisiert werden musste. Ich habe daher ersteinmal alle Textparts von Simone, die ich aus dem Originalton verwenden wollte, isoliert als WAV's exportiert um sie extern nachzubearbeiten (Normalisieren, Entrauschen, DC Offsets entfernen (sehr gut: das Sony Live Stereomikrofon hat keinerelei DC-Offsets und Laufwerksgeräusche etc.). Marios Texte habe ich dann erstmal provisorisch selbst eingesprochen aber möglichst schon in der richtigen Geschwindigkeit, um später die Synchronisationsarbeit mit Mario auf maximal eine viertel Stunde zu begrenzen.
Diese jetzt isolierte Sprache habe ich in Premiere auf einer extra Tonspur angeordnet.
Denn das nächste Ziel war die Erzeugung einer guten Atmo-Spur. Diese sollte allerdings von Sprachteilen frei sein. Bei den einzelnen Einstellungen gab es auch Sprünge in der Lautheit der Atmo, und diese sollten nun elimiert werden. Dazu habe ich dann z.B. die Tonspur bei einzelnen Schnitten gelöscht, und die Tonspur von anderen Einstellungen entsprechend verlängert, weil dort die weiterlaufenden Geräusche meist noch drauf waren. So konnte ich allein in Premiere durch isolierte Tonspuren, leichte Überbelndungen etc, eine durchgängige Atmospur erzeugen, die dann auch Geräusche enthielt, die in den geschnittenen Einstellungen gar nicht mehr vorhanden waren (eine ins Schloß fallende Tür, die fehlenden Atmos aus den ersten 5 Einstellungen etc.).

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Verhältnis Clips zu Audiospuren - unten die Atmospur

9.2. Aufbereitung in Combustion

Der nächste Schritt war der Export der einzelnen fertig geschnittenen Clips. Auch bei diesem Export wird das Video nicht umgerechnet, ich hatte somit noch keine Qualitätsminderung des Filmmaterials. Ziel dieses Export ist die Nachbearbeitung der einzelnen Clips in Combustion. Hier wollte ich insbesondere Deinterlacen, ggf. das Rauschen etwas reduzieren, Schärfen, bei einigen Clips die Farben anpassen und bei anderen Clips den Adapterrand abschneiden der mit im Bild war (durch entsprechenden Zoom).

Kann mir jemand verraten, warum immer dann, wenn man unter Zeitdruck arbeitet oder überhaupt ein wichtiges Projekt hat, alles kaputt geht??? Als ich die Einzelclips des Feinschnitt exportieren wollte für die weitere Bearbeitung, ging eigentlich am Rechner mal wieder alles kaputt (Abstürze, Speicherprobleme beim Export durch Falschfarben etc.). Ohne große Problemlösung funktionierte es am nächsten Tag dann doch ... schwarze Magie der Computertechnik :-))) Nur mal so nebenbei bemerkt.

An dieser Stelle kann ich mich auch noch einmal über die Bildqualität äussern. Ich habe ja oben bereits von den tollen Bildern geschwärmt. Sieht man sich so ein 16:9 Bild aber mal in 1024x576 an, dann stellt man schon so einiges fest was nicht stimmt. Die Schärfe an sich ist meist nicht scharf ... hier zeigen sich doch Probleme, mit dem kleinen TFT der Sony oder dem 7" TFT des Adapters vor Ort die Objektive des Adapters manuell scharfzustellen. Ergänzend dazu kommt das Rauschen. Dabei handelt es sich einerseits um das bekannte DV-Rauschen der CCD's welches immerhin dynamisch bewegt ist und andererseits natürlich um die Körnigkeit des beim Adapter verwendeten Glasscreens, der als Mattscheibe zum Einsatz kommt. Beide Rauschanteile ergänzen sich, und führen schon zu einem sehr starken Rauscheindruck des Gesamtbildes. Diese Bildqualität ist mit einer der Hauptgründe, warum ich mich entschloß alle Clips noch einmal durch Combustion zu jagen um hier noch einmal eine Verbesserung zu erreichen. Immerhin nahm ich damit eine Zwischenkompression bei der Ausgabe aus Combustion in Kauf, was sich auch wieder qualitätsmindernd auf das Bild auswirkt.

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Rauschen am Beispiel eines Canon MV630i + Adapter Bildes

Nun kamen die Clips erstmal nach Combustion. Zuerst stand, wie immer schon üblich, das Deinterlacing auf dem Programm. In diesem Fall wollte ich ja nicht unbedingt mit Visual Effect Layern arbeiten (obwohl es dazu dann doch zwei Einstellungen gab, s.u.) und brauchte das Deinterlacing nicht unbedingt für korrekte Masken etc. Bei der Arbeit in Premiere sind mir aber oft die Kammfiltereffekte in den Bildern aufgefallen, so daß ich ein vollumfängliches Deinterlacing wollte.
Leider sorgt das Deinterlacing dafür, daß sich das Rauschen noch deutlich verstärkt. Trotz moderater Anwendung des Meridian-Filters (0,6 Stärke) und einem ganz leichten nachträglichen Schärfen (10%) wurde das Rauschen durch das Deinterlacing leider noch verstärkt. Ich werd das jedoch jetzt so durchziehen, und mich dann lieber am Ende über das Ergebnis ärgern :-)))

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Eingesetzte Combustion Filter

Was die Farbkorrekturen angeht, hab ich es wieder mal mit dem Discreet CC nicht hinbekommen, trotz toller Hilfestellung von Holzkopf. Da ich leider nicht unendlich viel Zeit hatte bis zum Abgabetermin, und man ja nie wissen konnte, was zwischendrin noch so alles schief geht, hab ich mich aber entschlossen auf die guten Farbkorrektur Werkzeuge von Combustion zu verzichten, und bei den betreffenden Clips später in Premiere mit einer Tonwertkorrektur und dem Farbrad dort noch etwas rauszuholen.

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Ergebnis der Gesamtkorrektur der oben gezeigten Bilder

In diesem Fall muss ich allerdings auch mal wieder was über die Reihenfolge der Filter anmerken ... Normalerweise hab ich ja das Deinterlacing ganz unten, und baue alles andere darüber auf. In diesem Fall hat es sich jedoch als gut erwiesen, den Meridian und das Sharping zuerst durchzuführen, und das Deinterlacing erst zum Schluss durchzuführen (das bedeutet, daß der Deinterlacer von oben aus gesehen der oberste Effekt ist). Der Bildeindruck ist subjektiv einfach deutlich besser. (Klick auf's Bild unten zeigt die Bilder in Originalgröße, und verdeutlicht den Unterschied)

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Deinterlace oben (links) und Deinterlace unten

Ausserdem ist es irgendwie nicht gut clipgenau geschnittene Schnipsel zu verwenden, weil der erste und letzte Frame beim Deinterlacing komisch gerendert wird (vmtl. aus nur einem Halbbild), und die Schnittstellen damit komisch aussehen könnten. Beim Export daher vielleicht immer einen Frame vorn und hinten mehr dran geben. Nur so als Erfahrungstipp :-))

Jetzt wäre ich beinahe mit Combustion durch gewesen ... wenn, ja wenn da nicht noch die Abschlusstafel für so eine Art Billy Boy Werbung gewesen wäre. Inhaltlich geht der Clip ja dann so aus, daß die Frau in den Schrank geht, um sich mit ihrem Lover zu vergnügen. Das ist soweit ganz lustig und rund,  aber filmisch betrachtet ist es ganz gut, wenn jetzt ein Logo eingeblendet wird, und das ganze akustisch gemischt mit den Schlusstönen aus dem Film, einer Logomusik etc. überblendet wird. Das war jedenfalls meine Meinung. Also musste noch ein Logo her. Und das wurde auch in Combustion erzeugt. Der Billy Boy Schriftzug kam als Einblendung, und die Schrift 'Aufregend Anders' sollte sich buchstabenweise aufbauen, und mit entsprechender Musik unterlegt werden. Das war in Combustion leicht mit dem Textwerkzeug machbar.

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Einstellungen für den Titel

Die Logos durfte man sich übrigens für den Wettbewerb als PDF von der Webseite herunterladen. Ein Kopieren der Elemente aus dem PDF war jedoch nicht möglich, so daß ein Screenshot in hoher Bildschirmauflösung für das Footage herhalten musste :-)

9.3. Reimport der Clips nach Premiere

Anschließend habe ich dann die Combustion-Clips als finales Ausgangsmaterial in Premiere rückexportiert und anstelle der unbehandelten Clips eingefügt.  Bei den Clips, bei denen ich ein schlechtes Farb- und Kontrastgefühl hatte, habe ich dann tatsächlich mit der Tonwertkorrektur und einem Farbfilter noch einmal leicht angepackt ohne zu übertreiben. Das Ergebnis sieht man oben bei den Bildern zum bearbeiteten Bild.
Die leichten Korrekturen dienten nur dazu, die Clips untereinander anzupassen. Denn das Farb- und Kontrast-Shootout kam erst jetzt. Auch wieder in Anbetracht der Kürze der Zeit ist es nett ein PlugIn zu besitzen, welches ganz tiefe Eingriffe in die Farben und den Kontrast vornimmt, aber dafür vor allem mit 2 Parametern zu bedienen ist :-))) Es kam mal wieder mein geliebtes Easy Movie Colors PlugIn zum Einsatz.

9.4. Easy Movie Colors Einsatz

Mit Easy Movie Colors lassen sich schwarze Balken einfügen, und sich so nachträglich noch die Kadrierung ändern. Außerdem ließ sich hier noch Nachbelichten und eine Farbveränderung der Clips in Richtung Filmmaterial vornehmen. Kostet nur etwa 25,- Euro das PlugIn, aber ich liebe es um meinen Sachen den Feinschliff zu geben. Da Farb- und Kontrastanpassungen der Clips vorher in Combustion und Premiere vorgenommen wurden, konnte ich in diesem Plugin für jeden Clip die gleichen Parameter verwenden.

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Einsatz des Easy Movie Colors Plugins - Vorher Nachher

Es sieht so aus, daß ich eine 80% Nachbelichtung eingestellt habe, eine 30% Farbkorrektur im Sinne von Filmfarben, eine 9% Letterbox, die mir noch Gelegenheit für leichte Höhenkorrekturen bei der Vertikaljustierung geboten hat und die anderen Parameter auf 0 hatte. Und damit waren die Bilder des Films soweit eigentlich final fertig. Ein guter Zeitpunkt, sich wieder dem Ton zu widmen.

9.5. Filmmusik

Mit meinem Musikequipement bin ich noch lange nicht fertig. Einfach eine Gitarrenmusik, wie in Kill Basti, wollte ich nicht und es hätte auch nicht zum Film gepasst. Also grub ich meinen Yamaha SY 77 Synthesizer aus und beschloss damit die Filmmusik zu machen. Einen Sequenzer hatte ich nicht zur Verfügung und mit dem dort eingebauten stehe ich auf Kriegsfuss. Ich konnte also Filmmusik wie gehabt nur live eingespielt über die Soundkarte aufnehmen, und das nicht mit mehreren Spuren und Stimmen, sondern nur mit einem Sound.

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Einspielen der Filmmusik

Ich hab mich für einen ePiano Sound entschieden, und der passte schließlich auch. Nach mehr als 8 Jahren ohne Tastenkontakt war die Musik gar nicht so einfach. Am ersten Tag brachte ich nichts zu stande, und am zweiten schon etwas, aber noch mit dem falschen Sound (Orchester - unpassend). Es war für mich als Bandmusiker gar nicht so einfach mich von den Strophe-Refrain Strukturen zu lösen, und eine 10sekündige Musik zu komponieren, die z.B. für sich am Anfang des Films stehen kann. Dann habe ich die Kurve aber bekommen, und bin der Meinung, daß das, was wir nun im Film hören eigentlich sehr passend ist, und eben auch als Filmmusik durchgeht :-))
Später mussten für eine Diashow auf der DVD, das Making Of und weitere Extras noch weitere Musiken eingespielt werden, aber ich finde auch das hat geklappt :-))

9.6. Mario Synchronisation und Sound Allgemein

Die Zeit drängte, und es wurde Zeit Mario zu synchronisieren. Synchronisieren ist gar nicht so einfach. Die filmtypische Vorgehensweise mit dem Sprechen zum parallel laufenden Bild lässt meine Technik kaum zu. Und ich habe schon einmal eine Sprecheraufnahme gemacht bei der der Sprecher nie im Leben das Bild gesehen hat. Das ging auch gut.

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Mario vor dem Synchronisieren

Ich hatte Mario ja zuerst selbst nachsynchronisiert um Sound-Anhaltspunkte beim Schneiden zu haben. Das war eine Aufnahme in ein Mikro welches direkt am Rechner angeschlossen war. Das klang auch vom Sound her sehr künstlich. Da hätte man noch viel mit Raum etc. machen müssen. Um von vorne weg einen homogenen Klang zu erzielen, entschloss ich mich, die DV-Cam zur Audioaufnahme zu verwenden. Der Raum in dem wir arbeiten ist zwar größer als der Flur, aber der Sound dürfte trotzdem näher am O-Ton liegen, als auf andere Art und Weise. Also hab ich einfach die Kamera aufgebaut und Mario die Szenen nachspielen lassen, die er am Drehtag schon einmal gespielt hatte. Auf das Bild kam es dabei nicht an. Und die Sprechgeschwindigkeiten hatte ich im Kopf. Es reichte also anzugeben 'Das ganze noch einmal, aber etwas schneller'.

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Die Sync Aufnahme

Auf diese Art und Weise bekam ich dann nicht nur Marios Sprache sondern auch noch Geräusche, die er beim Bewegen macht und auch seine Schritte. Und das ganze dauerte keine halbe Stunde.
Das wurde nun per DV in den Rechner überspielt, der Ton getrennt, und dann so nachbearbeitet wie alles andere beim Ton auch. Sprache und Geräusche liessen sich ganz gut in Premiere einfügen. Lediglich der Satz 'Darf ich sie gleich ausprobieren?' war zu kurz und musste mit einem Timestretch Filter etwas verlängert werden.
Im Nachhinein merkt man schon, daß Mario synchronisiert ist, weil vollständige Lippensynchronität fehlt. Allerdings kenne ich viele Blockbuster, bei denen, wenn man drauf achtet, auch keine komplette Lippensynchronität vorhanden ist, ohne daß es uns Zuschauern noch auffällt.

Danach habe ich mir noch einmal die ganze Atmo vorgenommen. Die Mario Geräusche wurden noch hinzugefügt und auch Simones Lachen am Ende wurde noch einmal mit verschiedenen Schnipseln aufpoliert. Danach hatte ich ein Wochenende Pause weil ich weg war, und mit frischen Ohren habe ich nach der Rückkehr dann noch einmal letzte Hand an Marios Sprache und die Lippensynchronität gelegt, und dann passte es einfach (bzw. musste! :-).

9.7. Erstmal fertig

Fertig ... komisches Gefühl :-))
An dieser Stelle lag der Film also in einer fertigen Fassung vor. Jetzt ging es erst einmal daran, den ganzen Papierkram für den Wettbewerb fertigzumachen, die CD ztu brennen, CD-Stifte zu kaufen, Luftpolsterumschlag zu kaufen etc. Ausserdem hab ich dann ein Cover für die Einsendung für den Wettbewerb erstellt. Dazu brauchte ich noch Fotos. Von Mario hatte ich gleich welche beim Synchronisationstermin gemacht. Von Simone ein paar Tage danach. Und als ich welche vom Mann im Schrank machen wollte, da sagte er, daß er doch lieber nicht in dem Film in der Öffentlichkeit zu sehen sein möchte ...

9.8. Problem mit dem Mann im Schrank

Das wäre nun eigentlich der Supergau gewesen. Es war Mittwoch, und Einsendeschluss war der nächste Mittwoch. Allerdings war der Mann im Schrank nur in einer einzigen Einstellung zu sehen, und ich hab auch Respekt davor, wenn jemand nicht im Film zu sehen sein möchte. Da es auch nur eine Einstellung war, entschloß ich mich diese nachzudrehen und mich selbst in den Schrank zu stellen. Andere Möglichkeiten gab es in der kurzen Zeit nicht mehr und eigentlich wollte ich den Beitrag in dieser Woche noch absenden.
Also am Mittwoch noch Stefan Bescheid gesagt, er soll Donnerstag die Kamera noch einmal mitbringen und für Donnerstag Abend den Dreh geplant. Am Mittwoch hab ich dann noch gleich den Schrankclip mit dem Freund in Combustion nachbearbeitet, und eine Maske erstellt, in der die Schranktüren aus seinem Clip zu sehen waren, und auch noch kurz Simone, die den Schrank öffnet. Der Schrankinhalt mit dem Mann drin war ausmaskiert. Ausserdem hab ich noch Fotos von mir selbst gemacht (mit Selbstauslöser) und am Mittwoch Abend noch das Cover für die Einsendung fertiggestellt.

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Wettbewerbscover

Am Donnerstag Nachmittag habe ich dann wieder den 35mm-Adapter für die Sony flott gemacht. Netterweise hatte mein Vater mir erlaubt in seiner Wohnung zu drehen, weil ich selbst gar keinen passenden Schrank habe. Das aufwendigste an dem Dreh war wieder die Schlepperei des Equipements. Ich hab diesmal allerdings nur zwei Baustrahler verwendet. Dann habe ich das Set entsprechend aufgebaut.

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Set der neuen Schrankszene

Scharfstellen hab ich dann anhand eines etwa gleichweit entfernten Gegenstandes gemacht und hab dann einfach die Kamera laufen lassen und mich in den Schrank gestellt :-)) Beim Bildausschnitt war nur wichtig, daß man etwa erkennt, daß ich in einem Schrank stehe. Türen etc. sollten nicht mit aufs Bild. Weil ich mir nicht sicher war, hab ich die Einstellung mit einem 50mm, einem 70mm und einem 135mm Objektiv gedreht. Nach dem Sichten hab ich mich dann für die 135mm-Version entschieden obwohl das eigentlich zu groß war. In Combustion hab ich dann den Clip hinter die am Abend zuvor erstellte Maske gelegt, und Schwupps ... schon war der Mann im Schrank ausgetauscht.

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Maske vom Schrank und Simone über der Frankie Aufnahme

Donnerstag abend hatte ich also dann endlich die finale Version als DV-Datei fertig.

9.9. DVD Authoring 1

Für den Wettbewerb war nur eine Daten-CD mit dem DV-AVI-File gefragt. Eine Video-DVD beizulegen wäre aber auch okay, sagte mir die nette Frau vom Veranstalter am Telefon.
Also verbrachte ich den ganzen Freitag damit eine DVD zu authoren, wofür noch einmal die Erstellung von Material fürs Firstplay und die Menüs erforderlich war, sowie die MPEG2 Umkodierung.
Ich mach es mal kurz an dieser Stelle. Ich habe DVDLab 1.3 verwendet, die Software meiner Wahl, die mir schon einige schöne DVD's erstellt hat. Aber es gibt immer wieder Zickenprobleme mit DVDLab in dieser Version. Ich habe es also am Freitag bis in die späte Nacht nicht hinbekommen eine DVD zu brennen, die auch in einem Standalone Player funktionierte (die Menüs funktionierten komischerweise nicht).
Da die DVD nur Bonus sein sollte, hab ich sie einfach gecancelt. Allerdings musste ich jetzt das Cover ändern, da dort die DVD als Beilage angekündigt war.

9.10. Ab die Post

Am Samstag habe ich dann das Cover (ohne DVD Hinweis) noch einmal neu ausgedruckt, und das Paket zum Versand fertig geschnürt. Gegen 12:30 war ich dann schließlich in einer Post und habe das Päckchen im Luftpolsterumschlag als Einschreiben mit Rückschein auf die Reise gebracht. Geschafft und fertig!!!! Mir fielen Tonnen von Steinen vom Herzen. Und richtig glücklich war ich als ich den Rückschein mit Eingangsdatum vom 13.02 zurückerhielt. Der Einsendeschluß vom 15.02 war also auch eingehalten :-)))
Damit war Phase 1 beendet. Und ich wusste nicht, daß Phase 2 dann doch noch so schlimm werden sollte.

10. Postproduktion Phase II

Was war jetzt noch nötig? Wozu gibt es noch eine Phase 2? Phase 2 hat vor allem zwei Ziele: Distribution und Produktion von Extra-Material. Distribution heisst für mich Vorbereiten der Veröffentlichung im Internet, und Festhalten an der Erstellung einer DVD, die vor allem für mich und die Mitwirkenden gedacht ist. Das Extra Material ist vor allem für die DVD gedacht, weil sich in 3-5 Monaten doch eine Menge Nebenmaterial ansammelt und es doch schade wäre auf die DVD nur einen 140 Sekundenfilm zu brennen, wenn man noch soviel anderen Kram hat.
Diese Phase 2 war zwar grundsätzlich entspannter, weil ich keinen Termindruck durch Abgabetermin hatte, andererseits wollte ich auch meinen Darstellern den Film erst zeigen, wenn Phase 2 abgeschlossen ist. Und irgendwie war das auch an das Ende des Wettbewerbs durch offizielle Nennung der Gewinner gekoppelt. Da die Wettbewerbsseite nur lapidar was von Preisverleihung im März 2006 faselte, hieß das für mich, die Phase 2 im März abzuschließen.

10.1. Film aufblasen

Hehe, netter Titel für den Abschnitt. Der Original-Wettbewerbsbeitrag hat einen verhältnismäßig kurzen Vorspann, und lediglich eine Texttafel als Abspann, in der neben den Darstellern nur die Ideengeberin und ich als Regie, Kamera, Schnitt etc. erwähnt bin. Dies habe ich als ausreichend für den Wettbewerb betrachtet. Bei einer Verbreitung im Internet etc. wollte ich aber schon diejenigen nennen, die ebenfalls zu dem Film beigetragen haben, und sei es nur durch einen kleinen Gefallen. Dazu zählte z.B. mein Kameraverleiher Stefan genauso wie der DV-Capture-Man Andi und mein Vater der seinen Schrank zur Verfügung stellte. Der Film sollte also einen längeren Abspann bekommen und diesen dann als Rollabspann. Der Vorspann sollte ebenfalls erweitert werden, nämlich um die Vorabnennung der Hauptdarsteller und es sollte natürlich das Blindcat-Logo vorangestellt werden, auf welches ich bei dem Wettbewerbsbeitrag verzichtet hatte.
Ich musste mir also den Film noch einmal vornehmen. Da der Vorspann verändert wurde, musste ich die Vorschauen des ganzen Films noch einmal neu berechnen. Der Abspann an sich war dann nicht so schwierig in Premiere zu gestalten. Nach dieser kosmetischen Veränderung hat sich der Film von 90 Sekunden (Wettbewerb) auf 140 Sekunden verlängert.

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Finalprojekt mit längeren Spännen und Musik

Allerdings stimmte jetzt die Filmmusik nicht mehr. Sie war natürlich zu kurz. Es war dann ein Nachmittag und Abend Arbeit, aber dann hatte ich abgeleitet von der Originalmusik auch eine verlängerte Variante für Vor- und Abspann, die gut passte und eingesetzt werden konnte.
Bei der Gelegenheit hab ich nochmal feingetuned und die Synchronisationsteile noch etwas verschoben und angepasst, so daß sie noch besser passen, wie ich finde. Ausserdem hab ich noch zwei Atmo-Geräusche dazu aufgenommen und eingefügt (z.B. das Lichtschalterklicken am Anfang).
Damit war die Distributionsfassung des Films fertig und lungerte in der Schublade herum, bis der Film endlich veröffentlicht wurde :-))

10.2. Das Extra Material für die DVD

Neben dem Film habe ich parallel ständig an der hier vorliegenden Webseite rumgebastelt, sowie weiteren Webseiten, die von der Produktion des Filmes betroffen waren (z.B. Informationsseiten zu dem 35mm-Adapter etc.).
Aber recht aufwendig war dann doch die Produktion des Extra Materials. Ich hatte mir von vornweg vorgenommen folgende Extras mit auf die DVD zu packen: Outtakes, Making Of, Wettbewerbsinfos, Diashow und DV35G Special.

Als erstes hab ich mir die Diashow vorgenommen. Tomax hatte als Setfotograf einige Fotos bei den Dreharbeiten gemacht. Diese habe ich in Premiere importiert, und als Standbilder aneinander montiert. Dazu habe ich wieder eine Musik mit dem ePiano Sound aufgenommen, die sehr improvisiert jazzig war. Aber inzwischen lief mir das schon deutlich besser aus den Fingern :-)) Die wurde druntergelegt, und damit war das erste Extra schnell fertig.

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Diashow

Als nächstes hab ich mich ans DV35G Special gemacht. Da habe ich es mir allerdings ganz leicht gemacht. Ich habe lediglich den ganzen Film ohne alle Korrekturen durchlaufen lassen, so wie er auf dem DV Band aufgenommen war. Also im Grunde genommen die erste Version des Feinschnitts, bevor die Filter ans Werk durften. Dazu habe ich dann einen Kommentar gesprochen, der erklärt was so ein 35mm-Adapter ist und wie er bei der Produktion eingesetzt wurde. Zur Einleitung und zum Schluss etwas ePiano Klang und damit war dieses Extra dann auch sehr schnell fertig.

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DV35G Special

Nun kamen die Outtakes dran. Das war schon aufwendiger. Ich habe jedes DV-File noch einmal komplett durchgesehen, und wenn etwas witzig, interessant oder menschlich war, dann hab ich die entsprechenden Schnipsel eingefügt. Jeweils getrennt durch eine Tafel mit der Schrift 'Outtake #' die dazwischen für 2 Sekunden eingeblendet wurde. Da gab es natürlich witzige Begebenheiten, die auf dem laufenden DV Band gelandet sind, während der Dreharbeiten. Simone dominiert dieses Extra, was aber daran liegt, daß ja das Mikrofon bei Marios Einstellungen nicht an war. Der hat nämlich auch einen Haufen witziges Zeug erzählt, aber ohne Ton kommt das ja nicht rüber :-)) Dazu wieder eine ePiano Einleitung und ein Ausklang, und die Outtakes waren auch fertig.

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Outtakes immer mit Tafel unterbrochen

Der größte Hau war aber das Making-Of. Es gab ja keine explizite Making-Of Kamera, und so entschloss ich mich, mich selbst im Interview zu filmen, wie ich das Making Of erzähle. Dazu sollten im linken Bildbereich immer Fotos oder Ausschnitte von vorhandenem Material eingeblendet werden, welches gerade besprochen wird. Dieses Overlay war gar nicht so einfach, wurde aber schließlich allein mit dem Bewegen-Effekt von Premiere gelöst. Da ich nicht alles am Stück erzählen konnte, entschied ich mich zu einer Schnittästhetik mit harten Schnitten bei gleicher Einstellung aber unterschiedlichen Bildinhalten. Ich habe dazu meine Sitzposition immer zwischen schräg und frontal beim Aufnehmen verändert, damit diese Schnitte auch richtig deutlich werden. Als Kamera kam wieder der 35mm-Adapter zum Einsatz aber diesmal mit einer Canon MV630i, die ich mir bei eBay als Ersatz für meine kaputte Cam inzwischen gekauft hatte. Ich muss sagen, daß die Sony um Klassen besser ist. Die Canon hat doch ein sehr rauschiges Bild produziert, und das liegt nicht nur daran, daß ich beim Making-Of nur Tageslicht verwendet habe statt Baustrahlern.

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Making Of und Tafel Einblendung

Naja, schließlich kam noch ein kurzer Vor- und Abspann dazu und ich hatte ein etwa 10 minütiges Making-Of, welches durch die Schnitte auch flüssig erzählt war :-))

Als letztes kamen die Wettbewerbsinfos dran. Diese waren dann Schuld an den meisten Verzögerungen, weil ich nämlich die 3 Gewinnerclips auch runterladen wollte und mit auf die DVD brennen wollte. Damit man mal den Vergleich auf der Scheibe hat, was diese Clips haben, und was meinem Clip fehlte am Gewinn des Wettbewerbs. Ich rechnete ja nicht damit, daß ich etwas gewinnen würde.

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Infos zum Wettbewerb als Clip

Jedenfalls ließen sich die Macher des Wettbewerbs echt Zeit und bis Mitte März hatte ich weder ein Schreiben mit Glückwünschen, noch war die Webseite irgendwie verändert worden um das Ende des Wettbewerbs anzukündigen. Am 23. März kam dann ein Brief über den Ausgang des Wettbewerbs, aber die Seite wurde ewig nicht aktualisiert. Selbst am 23. April standen die Clips noch nicht Online.

Um die Zeit zu überbrücken habe ich dann erstmal das DVD Cover für die  Nicht-Wettbewerbsversion erstellt. Das Cover war für die DVD-Version gedacht, die alle Teilnehmer an der Produktion zum Abschluss bei der Welturaufführung bei mir Zuhause erhalten sollten :-)))

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10.3. DVD Authoring 2

Nun war es inzwischen so, daß ich vom 20. März an für zwei Wochen im Urlaub war. Ich konnte also nicht herausbekommen, wieweit der Wettbewerb inzwischen war. Nach der Rückkehr stand dann auf jeden Fall das DVD-Authoring an, da die DVD auf jeden Fall bis Ostern fertig sein sollte, damit alle Beteiligten ihr Werk endlich sehen konnten und eine Kopie bekommen konnten.
Von meinem Programm DVDLab hatte ich mich ja inzwischen mental verabschiedet. Inzwischen war ich der Meinung, daß Adobe Encore 2.0 genau soviel konnte wie DVDLab, aber hoffentlich zuverlässiger. Am 12.04 hab ich dann die Nerven verloren und die Vollversion über Amazon bestellt. Bis zum 22.04 musste die DVD ja fertig sein.
Das traf auch voll zu. Wer den Arbeitsablauf aus DVDLab gewohnt ist, muss sich nicht gross umstellen. Der in Encore eingebaute Encoder war ebenfall ein wenig besser als der Standalone Encoder von Mainconcept, der bei Standbildern ein merkwürdiges Verhalten zeigte.

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Authoring mit Encore

Zügig war damit jedenfalls die DVD fertig erstellt und die Weltpremiere konnte wie geplant am 22.04.06 stattfinden :-) ... Ja, wenn nicht die Darsteller an dem Tag keine Zeit gehabt hätten. Naja, wir holen die Aufführung dann eben nach wenn alle in diesem Leben mal Zeit haben :-))

10.4. Ganz fertig

So gern man auch Filme macht, und daran interessiert ist, umso glücklicher ist man doch wenn so ein Projekt final abgeschlossen ist. Wenn alles durch ist.  Wenn der Wettbewerbsbeitrag fertig abgegeben ist, wenn auch die Special Edition DVD fertig ist, die allen Beteiligten auch in Zukunft noch eine Erinnerung ist, wenn die Webseite endlich fertig erstellt ist, und auch alle anderen betroffenen Webseiten (z.B. zu dem 35mm-Adapter, der ja durch die Erfahrungen neuste Impulse bekam) fertiggestellt sind.
Ein Projekt dann endlich fertig zu haben, in einer Form, in der man wirklich nichts mehr dran machen muss, ist wirklich ein richtig schönes Gefühl und macht einen schon sehr glücklich. Da fällt dann auch eine Menge Druck von einem ab, und man ist wieder ein gutes Stück freier ...
... ja wenn, ja wenn da nicht in genau diesem Augenblick schon wieder die Idee zu einem neuen Film reifen würde, das Bedürfnis einen weiteren Film zu machen so groß ist, daß man sich wieder in die Ideenfindungsphase begibt, wo man dann eigentlich schon wieder oben zu lesen beginnen kann ... auf der nächsten Projektseite, die es hier geben wird :-)))))))

11. Wettbewerbsergebnis

Nicht entscheidend, aber interessant, war doch das Wettbewerbsergebnis. Unabhängig vom Ausgang des Wettbewerbs war ich doch schon sehr stolz auf meinen kurzen Film, und finde, daß er eine gute Story hat, die es absolut wert war verfilmt zu werden, und technisch ist er zumindest für den derzeitigen Stand meiner Technik doch auch sehr okay geworden. Blieb nur noch die Frage was nun beim Wettbewerb rausgekommen ist ... Natürlich nichts! :-))) Hätte man ja auch nicht unbedingt erwarten können bei einem Debutfilm, der eben doch noch die einen oder anderen kleinen Haken hat :-)) Die Gewinnerclips kann man sich derzeit (Mai 2006) unter www.billyboy.de (Update 2015: nicht mehr verfügbar. Ggf. auf dem Billy Boy YouTube Channel) ansehen. Dann weiß man, was man anders machen muss um den Wettbewerb zu gewinnen :-)) Ich bleibe aber trotzdem stolz auf diesen Film und finde ihn einfach mal gut :-))

12. Statistik

An dieser Stelle will ich noch kurz einmal Zahlen, Daten, Fakten sprechen lassen, weil zumindest der eine oder andere mal eine Idee davon bekommen kann, was eine derartige Produktion für Ressourcen verschlingt.

Filmlänge: 140 sek.
Gesamtlänge des produzierten Materials: 22:42 Min.
Ingesamt benötigte Produktionszeit:   ca. 6 Monate, bei einem einzigen Drehtag
Verwendete DV-Bänder (60 min.):   2 Stück
Insgesamt benötigter Plattenplatz:    57,5 GB
Insgesamt erzeugte Dateien:      1.189 Dateien

Nicht schlecht für einen 140 Sekunden Film, oder? Ich denke mal, diese Daten wären bei einem 30 Sekünder auch ähnlich, bei einem 5 Minüter aber schon einmal merklich höher, ganz zu schweigen von einem 15 Minüter oder gar 90 Minuten Film.

13. Fazit

Was ist nun das Fazit aus dem Film? Für die Vorbereitung, also die Pre-Productionphase war das erst einmal okay. Ich nehme die Erkenntnis mit, daß ich mich tatsächlich immer um ein Storyboard kümmern sollte. Das ist wirklich was richtg gutes, auch wenn es langwierig ist, eines zu erstellen. Nachher, gerade in der Produktionsphase, die immer ganz, ganz kurz sein sollte, ist es wirklich gold wert.
Ausserdem sollte man in der Planung des Films früher Wert auf  die Besetzung und die Drehorte legen, und beides frühzeitig vor dem Dreh festklopfen. In so Drucksituationen, wie in diesem Wettbewerb ist das schwer möglich, aber für Produktionen ohne Druck sollte man das so früh wie möglich alles festmachen. Das waren nämlich beides so mit die größten Probleme bei dem Film.

Für den Dreh selbst ... naja. Das ist schwer zu sagen. Erstmal habe ich ja da meine Kamera. Die sollte ich noch weiterentwickeln, sowohl was den Adapter angeht, aber auch was die eingesetzte Kamera angeht. Das Bild ist im Ergebnis noch zu rauschig. Das muss auf jeden Fall verbessert werden. Auch im Bereich Licht sind kleine Weiterentwicklungen (Tore, Filteraufnahmen etc.) denkbar, obwohl das gar nicht so schlecht war, wie ich finde. Ausserdem wäre es doch nicht sooo schlecht mit einem Team zu drehen. Dies würde insbesondere dazu dienen, die Dreharbeiten noch zu beschleunigen, aber eben auch gewisse Aufgaben zu delegieren, so daß z.B. nicht vergessen wird den Ton anzustellen ... oder vielleicht sogar extern aufzunehmen.

Bei der Postproduction habe ich eigentlich nichts zu bemängeln. Die mach ich eben so, wie ich persönlich die immer machen würde. Klar muss ich irgendwann mal mein Musikequipment richtig an den Start bringen, um da mehr Möglichkeiten zu haben. Auch für den Bereich DVD-Authoring sollte ich endlich einmal eine verlässliche Lösung finden (es ist schon traurig, daß die Industrie über Blue Ray und HD-DVD nachdenkt, obwohl es noch nicht einmal erschwingliche Programme gibt, die mir das Authoring einer individuellen DVD für so ein Projekt erlauben). Aber nach dem Kauf von Adobe Encore DVD 2.0 für genau dieses Projekt, scheint sich das Authoring Problem erstmal gelöst zu haben. Damit geht das jedenfalls zuverlässig.

Auf jeden Fall kann ich als Fazit sagen, daß ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis bin, wenn ich die Umstände berücksichtige! :-)) Und für die Zukunft gibt es noch viel zu tun ...

14. Danksagung

Hier noch einmal die Danksagung an alle, die irgendwie beteiligt waren und es mir ermöglicht haben diesen Film Realität werden zu lassen:

Uta - für ihre tolle Idee für die Story
Simone - für ihre Zusage als Darstellerin
Mario - für seine Zusage als Darsteller und die Zeit für die Synchronisation
Tomax - für den Drehort
Papa - für den Drehort
Stefan - für seine Sony Kamera
Andi - fürs Capturen des DV Material in einer Notsituation
Basti - fürs Babysitten und Kümmern am Drehtag
Paul - Für den Link zu dem Wettbewerb

und allen Onlinern die immer fleissig ihre Erfahrungen im Internet verbreiten, und damit allen anderen helfen.

15. Ausstattung

Zum Schluss nochmal eine Übersicht über das verwendete Equipement. Zuerst die Software:

- Adobe Premiere 6.5 (Schnitt)
- Discreet Combustion 2.1 (Feintuning)
- Adobe Photoshop 5.5 (Einzelbildbearbeitung)
- Soundforge 4.5 Studio (Audiobearbeitung)
- Easy Movie Colors (Farb-Feintuning)
- MainConcept DV Codec (MPEG Encoding)
- Adobe Encore DVD 2.0 (DVD-Authoring)
- Mozilla (Webseitenerstellung)

Hardware:

- Sony DCR-TRV11E Camcorder
- DV35G 35mm-Adapter (www.35mm-Adapter.de)
- Canon MV630i Camcorder
- Baulampen und Kleinkram
- Yamaha SY77 Synthesizer


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